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Geldanlage · Inflation

Geld auf dem Konto verliert an Wert: Was die Inflation mit deinem Ersparten macht

Dein Geld liegt sicher auf dem Konto. Und genau dort wird es jedes Jahr ein Stück weniger wert. Das ist kein Widerspruch, sondern die unbequemste Wahrheit beim Sparen: Sicherheit auf dem Konto schützt dich vor Schwankungen, aber nicht vor der Inflation.

Die kurze Antwort. Liegt die Inflation über dem Zins, schrumpft dein Erspartes real, auch wenn die Zahl auf dem Konto gleich bleibt. Bei der vorläufigen Inflationsrate von 2,8 Prozent für Juli 2026 verlieren 20.000 Euro auf einem zinslosen Girokonto in zehn Jahren knapp 4.900 Euro Kaufkraft, auf einem Tagesgeldkonto mit angenommenen 2 Prozent rund 1.500 Euro. Sinnvoll ist deshalb ein Notgroschen auf dem Konto, der Rest darf breit gestreut angelegt arbeiten.

Ich erlebe das fast täglich in meinen Gesprächen hier in Lüdenscheid. Jemand hat über Jahre diszipliniert gespart, ein fünfstelliger Betrag liegt auf dem Tagesgeldkonto, und das Gefühl dabei ist gut. Sicher ist sicher. Die Frage, die selten jemand stellt, ist aber die wichtigste: Was macht die Inflation in der Zwischenzeit mit diesem Geld? Die Schlagzeilen drehen sich um steigende oder fallende Zinsen. Was das konkret für dein Erspartes heißt, sagt dir kaum jemand.

Warum dein Geld auf dem Konto schrumpft

Der Mechanismus ist unspektakulär und genau deshalb so wirksam. Auf dem Kontoauszug sinkt nie eine Zahl. Die 20.000 Euro stehen morgen noch da. Nur kannst du dir nächstes Jahr ein bisschen weniger dafür kaufen als heute. Selbst wenn das Tagesgeld wieder etwas Zinsen bringt, schlägt es die Inflation nur selten. Dein Geld wird also langsamer weniger wert, aber es wird weniger wert.

Ein Modellfall macht es greifbar. Wir rechnen mit der Inflationsrate, die das Statistische Bundesamt für Juli 2026 ausweist: 2,8 Prozent (Statistisches Bundesamt, vorläufiger Wert, Stand 08/2026 — die endgültige Zahl veröffentlicht Destatis am 12. August 2026). Nimm an, 20.000 Euro liegen herum.

Liegen sie auf dem Girokonto ohne Zinsen, verlierst du jedes Jahr die vollen 2,8 Prozent Kaufkraft. Nach zehn Jahren kannst du dir von diesen 20.000 Euro real nur noch das leisten, was heute rund 15.100 Euro wert ist. Knapp 4.900 Euro sind weg, obwohl auf dem Konto nie eine Zahl gesunken ist.

Liegen sie auf einem Tagesgeldkonto mit angenommenen 2 Prozent, bleibt real ein Minus von etwa 0,8 Prozent im Jahr. Nach zehn Jahren fehlen dir rund 1.500 Euro Kaufkraft. Deutlich weniger als beim Girokonto, aber immer noch kein Zuwachs, sondern ein langsames Abschmelzen.

Das ist eine Modellrechnung und keine Garantie. Der Zinssatz ist eine Annahme, die Inflationsrate ist der amtliche, aber noch vorläufige Wert für Juli 2026. Und genau daran siehst du den eigentlichen Punkt: Der Unterschied zwischen Girokonto und Tagesgeld entscheidet, wie schnell es weggeht. Ob es weggeht, entscheidet er nicht. Den jeweils aktuellen Stand der Teuerung findest du im Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts.

Drei Situationen, drei Folgen

Ob dich das trifft und wie stark, hängt davon ab, in welcher Lage du gerade bist. Grob gibt es drei, und für jede gilt etwas anderes:

  • Liquidität auf dem Konto: Steigen die Zinsen, bekommst du wieder etwas mehr. Trotzdem schlägt Tagesgeld die Inflation selten. Der Teil deines Geldes, der dort jahrelang einfach liegt, arbeitet vor allem für den Wertverlust.
  • Finanzierung geplant: Steigende Zinsen machen Kredite und Baufinanzierungen teurer. Wer eine größere Anschaffung oder eine Immobilie im Kopf hat, sollte die Konditionen jetzt genauer rechnen als noch vor einem halben Jahr — dazu mehr im Beitrag Haus als Altersvorsorge.
  • Langfristiger Vermögensaufbau: Ein einzelner Zinsschritt ändert hier wenig. Wer über viele Jahre mit Plan aufbaut, lässt sich von einer einzelnen Schlagzeile nicht aus dem Konzept bringen. Genau das ist der Vorteil eines Plans. Wie groß deine Rentenlücke dabei wirklich ist, zeigt dir der Rentenlücken-Rechner.

Was du konkret tun kannst

Die Lösung ist nicht, panisch alles vom Konto zu räumen. Die Reihenfolge zählt. Zuerst legst du deinen Notgroschen fest, in der Regel drei bis sechs Monatsausgaben, jederzeit verfügbar. Dieses Geld gehört genau dorthin, auf das Konto, ohne Schwankung. Erst danach schaust du dir den Rest an, also den Betrag, der schon lange liegt, ohne dass du ihn in den nächsten Jahren wirklich brauchst.

Geld auf dem Konto ist nicht falsch. Dein Notgroschen gehört genau dorthin, jederzeit greifbar und ohne Schwankung. Das Problem ist nie das Konto an sich, sondern das Zuviel darauf, das jahrelang liegt und nur der Inflation zuarbeitet.

Für Geld, das du viele Jahre nicht brauchst, sieht die Rechnung anders aus. Wer langfristig über eine breit gestreute Fondsanlage aufbaut, hatte historisch deutlich bessere Chancen, die Inflation zu schlagen, trägt dafür aber Schwankungen mit. Viele denken dabei sofort an einen ETF. Der bildet stur einen Index nach, ein aktiv gemanagter Investmentfonds wird dagegen gesteuert. Beides sind Fondsanlagen. Welcher Weg zu dir passt, hängt von deinem Ziel und deinem Zeithorizont ab, und das klärt man vorher, nicht nebenbei. Wie sich eine monatliche Rate über die Jahre entwickeln kann, zeigt dir der Sparplan-Rechner. Auch Sachwerte spielen für manche eine Rolle, dazu findest du mehr im Beitrag Gold und Silber als Sachwert.

Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst, hilft ein nüchterner Blick auf den Status quo. Die drei ehrlichen Fragen aus dem Finanzcheck sind ein guter Einstieg, und häufige Fragen rund um Geld und Vorsorge beantworte ich in den FAQ.

Die eigentliche Frage ist also nicht, ob die Zinsen gerade steigen oder fallen. Sie lautet: Welcher Teil deines Geldes arbeitet wirklich für dich, und welcher liegt nur herum und verliert leise an Wert? Wer das einmal sauber sortiert, muss nichts überstürzen und trifft den Rest mit ruhiger Hand.

Häufige Fragen zu Geld auf dem Konto und Inflation

Wie viel Geld sollte auf dem Konto bleiben?

Dein Notgroschen gehört aufs Konto, in der Regel drei bis sechs Monatsausgaben, jederzeit verfügbar und ohne Schwankung. Der Teil darüber hinaus, der jahrelang einfach liegt, arbeitet vor allem für den Wertverlust. Diesen Rest lässt du besser für dich arbeiten.

Verliert auch Tagesgeld an Kaufkraft?

Ja, sobald die Inflation über dem Zins liegt. Im Modellfall des Artikels rechnen wir mit der amtlichen, noch vorläufigen Inflationsrate von 2,8 Prozent für Juli 2026. Ein Tagesgeldkonto mit angenommenen 2 Prozent verliert dann real etwa 0,8 Prozent im Jahr, aus 20.000 Euro werden nach zehn Jahren real rund 18.500 Euro. Auf einem zinslosen Girokonto wären es nur noch rund 15.100 Euro.

Was kann ich gegen den Kaufkraftverlust tun?

Zuerst legst du deinen Notgroschen fest, erst danach geht es um den Rest. Geld, das du viele Jahre nicht brauchst, kannst du breit gestreut anlegen, zum Beispiel über einen Investmentfonds, dafür trägst du Schwankungen mit. Auch Sachwerte wie Gold und Silber können als Beimischung eine Rolle spielen.

Passend dazu:

Eduard Strekert ist Vermögensberater für die Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG). Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Er stellt keine Anlage- oder Steuerberatung dar.

Liegt bei dir zu viel auf dem Konto?

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